Rezension

Animal Collective

Strawberry Jam


Highlights: Peacebone // For Reverend Green // Fireworks
Genre: New Weird America - just kidding
Sounds Like: Of Montreal // Deerhoof // The Fiery Furnaces // Caribou

VÖ: 07.09.2007

Man könnte fast auf den Gedanken kommen, die Musik von Animal Collective sei nicht schon selbst amüsant genug, da stellt man amüsiert fest, dass die vier fest(est)en Mitglieder der Band aus Baltimore County, Maryland, folgende Spitznamen haben und sich meist auch gar nicht erst mit anderen Namen vorstellen zu gedenken: Avey Tare, Geologist, Deacon und Panda Bear. Moment. Panda Bear. Da war doch was.

Ganz recht, der liebe Panda Bear hatte die Hörergemeinde des völlig freakigen Indie (some call it New Weird America) dieses Jahr bereits mit seinem Soloalbum "Person Pitch" beglückt, das allerdings, soviel sei vorweggenommen, dem neuen Album von Animal Collective keine Ideen vorwegnahm. Elementarer noch sind indes die Unterschiede zu "Feels", dem vorherigen Album von Animal Collective. Eine Differenz, die schwierig in Worte zu fassen ist, doch ist "Strawberry Jam" eindeutig mehr am einzelnen Song interessiert als am Gesamtzusammenhang des Albums. Tauchte man bei "Feels" zu Beginn komplett ab und auch nicht wieder auf, bevor der letzte Song zu Ende war, erlebt man das neue Werk um einiges bewusster. Und kann die im positiven Sinne merkwürdigen Eindrücke und besonders schönen Momente leichter einzelnen Stücken zuordnen.

So erinnert man sich nach eingehender Beschäftigung mit der Sache besonders an vier, vielleicht fünf Momente. Erstens: Die Art und Weise, wie sich beim Opener "Peacebone" der Song aus dem wuseligen, elektronischen Chaos hervorhebt. Zweitens, wie im selben Song plötzlich losgeschrien wird, spaßeshalber durch einen lustigen Effekt gejagt, der Assoziationen zu Refused knapp unter der Wasseroberfläche mit sich bringt. Drittens wäre da das gesamte "For Reverend Green", das für "Strawberry Jam"-Verhältnisse fast platzt vor Hooklines. Und viertens wäre da dieses ziemlich feine "Fireworks", das vom klanglichen Aspekt her vielleicht noch am wenigsten auf "Feels" aufgefallen wäre.

Dabei sei deutlich gesagt: Das, woran man sich später nicht erinnert, gefällt während des Hörens durchaus gut bis sehr gut. Das monotone "#1" ist gar nicht so monoton, wie man erst denkt, das hektische "Winter Wonder Land" macht Hektik zu etwas Erfreulichem, und der Beginn von "Chores" schafft es tatsächlich, einen auf den absurden Gedanken zu bringen, sich intensiver mit R'n'B aus der Kevin-Lyttle-Ecke beschäftigen zu wollen. Das Laut-Leise-Spiel in "Cuckoo Cuckoo" muss man der Band wohl einfach lassen - wäre ja noch schöner, wenn Animal Collective, Hauptakteure einer Szene, die einst New Weird America genannt wurde, auf einmal nicht mehr weird wären.

Mario Kißler

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