Rezension

Animal Collective

Painting With


Highlights: Flori Dada // Golden Gal
Genre: Dada-Pop // Experimentelle Elektronik
Sounds Like: Dan Deacon // Avey Tare's Slasher Flicks // Panda Bear

VÖ: 19.02.2016

Schon zu Beginn des neuen Animal-Collective-Albums "Painting With" geht es durchgedreht zur Sache. "Flori Dada" war der Song, der als erster vom Album seinen Weg ins Internet fand, und er ist auch der erste Song auf dem Album. Ausgelassene Gesänge, Lachen, ein Beat, der zum Hüpfen auf dem Sofa einlädt. "Hocus Pocus" geht nicht weniger abgefahren zur Sache. Dinosauriergebrüll bietet die Hintergrundkulisse, elektronisches Gequietsche und mehrstimmiger Gesang das Geschehen im Vordergrund. Das geht gerade so weiter und zieht sich durch die übrigen Songs. Kein Moment, in dem nicht Energie aus allen Ecken und Enden sprudelt, es blitzt und blinkt, der Kopf verdreht wird. "Golden Gal" bringt mit seiner leichten Art und Popattitüde mal etwas Entspannung in die quietschbunte Soundlandschaft.

Da kommt man schonmal ins Schwindeln, wenn all die ekstatische Energie auf einen trifft. Dave Portner (Avey Tare) und Noah Lennox (Panda Bear), die beiden Gründungsmitglieder vom Animal Collective, singen vergnügt schief ihre Harmonien und Melodien; Brian “Geologist” Weitz und Josh “Deakin” Dibb steuern den Rest dazu bei. Die Aufnahmen zu "Painting With" fanden in den East West Studios in Hollywood statt. Egal, wie legendär das Studio für andere sein mag, dem Kollektiv war es während der Aufnahmen am wichtigsten, sich zu Hause zu fühlen. Darum wurden Kerzen auf Seerosenblättern aufgestellt, ein Planschbecken befüllt und Dinosaurierfilme über einen Projektor in Dauerschleife abgespielt. Diese Atmosphäre bildete die Grundlage für das Album. Toningenieur Sonny Diperri lieferte schließlich den Feinschliff für den Klang der Songs und vor allem der Stimmen, die auf den neuesten Aufnahmen eher von weniger als mehr Effekten überlagert sein sollten. Stattdessen standen Portner und Lennox auf hohen Podesten während der Aufnahmen, um die luftigen Höhen besser spüren zu können, die sie auch im Klang hören wollten.

Es wurde viel herumgespielt und -experimentiert für "Painting With". Animal Collective haben während der Aufnahmen viel über Kunst gesprochen, über Malerei, Kubismus, Dada und verzerrte Sichtweisen. Auch auf ihrem neuesten Werk klingen sie, wie Animal Collective nun mal klingen und zeigen damit, dass sie einen einzigartigen Sound haben. Dennoch sind die Songs gleichzeitig frisch und wild; so wild, dass man "Painting With" besser in schmalen Dosen oder mit bester Laune genießen sollte, da man sonst Gefahr läuft, schnell genervt zu sein, vom "volle Power voraus"-Sound.

Marlena Julia Dorniak

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Farbenfrohes "FloriDada"

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