Rezension

Andrew Wasylyk

The Paralian


Highlights: Greendrive #2 // Journey To Inchcape // Mariners Hymn
Genre: Ambient // New Age // Post-Rock
Sounds Like: Yann Tiersen // Sébastien Tellier // Chilly Gonzales // Gaussian Curve // Do Make Say Think

VÖ: 01.02.2019

Was bringt jemanden zur Musik? Im Falle Andrew Wasylyks war es sein Onkel, der dem damals Sechzehnjährigen eine Fender Stratocaster schenkte. Wasylyk kam von der Musik nicht mehr los – und er spielt die Gitarre noch heute.

Für sein neues Album bot man ihm ein Stipendium in einem Kunst- und Kulturzentrum an der schottischen Küste in Arbroath an, um hier Lieder für eine frisch restaurierte Harfe aus dem 19. Jahrhundert zu komponieren. Dass Wasylyk hierfür ein geeigneter Kandidat zu sein schien, lässt ein Blick auf seine bisherigen Werke erahnen. Zuletzt vertonte er mit „Themes For Buildings And Spaces“ architektonische Räume und Gebäude. Das Etikett New Age oder Ambient wäre noch am treffendsten, um die kontemplative Ruhe seines Schaffens zu beschreiben, würde jedoch die Vielschichtigkeit unterschlagen, die womöglich einer Sozialisation im Post-Rock entspringen mag, und die seinen Stücken eine breite Palette emotionaler Färbungen verleiht.

Neben der Harfe wird „The Paralian“ hauptsächlich getragen von Bläsern, einem Moog und reduzierten Drums, manchmal einer dezent eingesetzten Drum-Machine. Eine entfernt schwebende Gitarre taucht hier und da auf (etwa auf der verwunschenen „Journey To Inchcape“) und gelegentlich gesellen sich Streicher dazu (beispielswiese zu der an Yann Tiersen erinnernden „Westway Nocturne“).

Immer schwingt etwas von einem Soundtrack mit. Nicht einfach nur, weil die Songs etwa bis auf „Adrift Below A Constellation“ ohne Gesang auskommen, sondern weil einem zu jedem Track Assoziationen erscheinen, man vielleicht eine Szene aus dem Gedächtnis rekonstruiert, zu der die Musik gepasst hätte. Aber auch einfach auf dem Sofa oder dem Boden liegen und den Klängen lauschen passt hervorragend. „The Paralian“ ist ein Soundtrack zum Nichtstun, zum Sinnieren über Vergangenes oder Zukünftiges, zum Kopf-Einschalten und Kopf-Ausschalten. Das Album gibt einem die Sicherheit, dass es genau richtig ist, sich diese Zeit zu nehmen und einfach mit sich selbst zu sein. Großen Dank an Andrew Wasylyks Onkel!

Jonatan Biskamp

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