Rezension

Anathema

We're Here Because We're Here


Highlights: A simple mistake
Genre: Progressive-Pop
Sounds Like: Antimatter // Opeth // Porcupine Tree

VÖ: 18.06.2010

Eine positive Sicht auf diese Welt war noch nie so die Sache von Anathema. Als Doommetalband gegründet, widmeten sie sich Anfang der 90er Jahre so manch beklemmend-brachialer Dunkelheit. Ein Jahrzehnt später vermittelten sie dann pure Resignation, Alben wie „A Fine Day To Exit“ oder der bisherige Karrierehöhepunkt „A Natural Disaster“ waren ruhig intonierte Blicke in den menschlichen Abgrund. Sieben Jahre nach dem letzten Studioalbum erscheint nun „We’re Here Because We’re Here“. Nachdem die Band harte Zeiten ohne Plattenfirma durchstehen musste, hat sich nun Steven Wilson samt Hauslabel K-Scope der Musiker um die drei Cavanagh-Brüder angenommen.

Wenige Takte sind vergangen, bis die Richtung klar ist: Balladeske Progressive-Rock-Stücke, sanfte Pianotöne in Moll. „Thin Air“ ist eine Liebesballade und obwohl Vincent Cavanagh klagend klingt, treibt nicht Verlust, sondern Sehnsucht diesen Song voran. Leider hat man hier, wie auch im folgenden „Summer Night Horizon“, noch ein anderes Gefühl: Das kennt man doch schon. Besonders die Parallelen zu „A Fine Day To Exit“ drängen sich stark in den Vordergrund. Zudem ist deutlich die Handschrift Steven Wilsons zu hören. „We’re Here Because We’re Here“ vereint die typischen Elemente, mit denen Wilson seit einigen Jahren die Musiklandschaft im Progressive Rock bestimmt. Ob Opeths „Damnation“ oder seine eigenen Projekte wie Blackfield und Porcupine Tree – auch Anathema bekommen die üblichen Bausteine aus dem Wilson-Katalog. Richtig schlimm ist zwar kaum ein Stück, höchstens die hochgedrehte Esoterikhymne „Everything“ oder das ultraseichte „Angels Walk Among Us“, aber viele Songs wirken austauschbar, monoton, fast langweilig. Im Gegenzug ist das achtminütige „A Simple Mistake“ wirkliches Highlight in der Bandhistorie.

„We’re Here Because We’re Here” ist ein schönes Statement. Wir sind da, weil wir da sind. Wir wollen einfach nur da sein. Über weite Strecken merkt man dies dem Album auch an. Die Band will einfach nur spielen. Ein großes Meisterwerk ist „We’re Here Because We’re Here“ nicht geworden, höchstens ein Lebenszeichen. „Hallo, wir sind Anathema und es gibt uns noch“. Die Spielfreude ist da, das Handwerkszeug hat die Band in der langen Pause ohne neues Material (von diversen Liveveröffentlichungen mal abgesehen) auch nicht verlernt. Und doch fehlt etwas. Das gewisse Etwas, das Verbindung schafft zwischen dem auf Silberscheiben gebrannten Wirken der Musiker und den Gehörgängen des Konsumenten.

Klaus Porst

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