Rezension

Alex G

DSU


Highlights: After Ur Gone // Harvey // Axesteel // Boy
Genre: Lo-Fi // Home Recording // Indie
Sounds Like: Guided By Voices // Kleenex Girl Wonder // The Clean

VÖ: 07.11.2014

Hinter jedem unscheinbaren Mausklick illegale Tauschbörsen, unmoralische Angebote, Sexanzeigen und das ominöse Darknet. Das Internet kann ein kalter Ort sein, an dem Laster, Verführung und Verbrechen rechtschaffene Bürger auf die dunkle Seite ziehen. Es kann. Es kann hingegen auch zum Stöbern, Erkunden und Entdecken einladen. Neue Perspektiven eröffnen, Veröffentlichungswege für Obskures anbieten. Besonders für solche Künstler, die im konventionellen Sinne nie Erfolg mit ihrer Musik hätten und sonst eigenhändig überspielte Kassetten in der Fußgängerzone verteilen müssten.

Alex G lebt davon, der nette Kerl von nebenan sein zu können. Das fängt beim abgekürzten Nachnamen an, der Anonymität verschafft, und zieht sich über das Zurückhalten der eigenen Person. Wirklich viel ist nicht über ihn bekannt. Er stammt aus Philadelphia, ist 21 und mag vor allem Musik, die vor seiner Zeit entstanden ist. Musik von Außenseitern, die im stillen Kämmerlein experimentiert und diese Versuche auf kruden Kassettenaufnahmen verewigt haben. Wie die frühen Guided By Voices oder das neuseeländische Flying-Nun-Label. Das ominöse DSU ist nun seine echte richtige, sogar offiziell gemasterte Veröffentlichung. Ein Pop-David gegen ganze Horden an Goliaths.

Man neigt dazu, jedes neue, halbwegs gelungene Lo-Fi-Album als das neue „Bee Thousand“ anzupreisen: Das prototypische Home-Recording-Album, welches Guided By Voices 1994 veröffentlicht haben, bleibt ein Maßstab. Liebevoll ausgeschmückte Popsongs reihen sich an Fragmente und Kurioses. Authentizität und Experimentierfreude ersetzen den Drang nach Homogenität. DSU nimmt sich diesen Vorsatz zu Herzen, ist abwechselnd himmelhochjauchzend, umgarnend und verschreckend. Der perfekte Pop von „After Ur Gone“ oder „Boy“ wird von schrägen Nummern wie „Promise“ torpediert. Auf das dunkle, fuzzgetränkte „Axesteel“ folgt das Synthiegeklimper „Sorry“.

DSU anzuhören ist, wie sich durch einen Haufen unbeschrifteter Mixtapes zu wühlen, die in verschiedenen Aufnahmesitzungen entstanden sind. Viele Ideen, viel Fragmentarisches und verdammt viel Potential. Das ist natürlich weder glatt noch radiotauglich. Was DSU besitzt, ist Charme und die ganz bezaubernde Vorstellung, dass Alex G hier den Grundstein für wirklich Großes legt. Und du ihm jetzt schon zuhören kannst und später dann bedeutungsschwanger „Ich hab es schon immer gewusst“ raunst.

Yves Weber

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