Rezension

Addy

Eclipse


Highlights: Planted // Easier // Equinox
Genre: Dream-Pop // Shoegaze // Lo-Fi // Folk
Sounds Like: Andy Shauf // (Sandy) Alex G // The War On Drugs // Conor Oberst

VÖ: 06.03.2020

Addy kommt mit seinem Debüt zum richtigen Zeitpunkt. Lange wird dieser Winter nicht mehr dauern. Die Tage werden länger, die Luft milder, das Licht freundlicher. „Eclipse“ ist weniger finster, als sein Name vermuten lässt und liefert gar einen Strauß verheißungsvoller Hymnen, die nach Frühling schmecken.

Bedroom-Pop war und ist das Label, das bei Adam Watkins, der bereits zwei EPs in Eigenregie aufnahm, als erstes fällt. Technisch mag der Begriff korrekt sein, doch „Eclipse“ ist noch viel mehr als das. Die meisten Songs zeigen Referenzen zu amerikanischer Folk- oder Country-Musik, nutzen etwa Steel-Gitarren oder zurückhaltend eingesetzte Violinen. Doch die reiche Instrumentierung im Hintergrund, die den Sänger und seine Akustikgitarre gekonnt ausleuchtet, eröffnet Räume, die weitaus größer sind als ein Schlafzimmer. Hervorzuheben besonders die selbstsichere, oftmals treibende Lead-Gitarre, die – zunächst unbemerkt, sich in die meisten Stücke einschleichend – einen Großteil der Lieder auf eine andere Ebene hebt. „Easier“ ist hier exemplarisch zu nennen – ein Song, der alleine durch seinen treffenden Anschlag und perfekten Klang hoffnungsvoll stimmt und mit Einsatz der Gitarre in einem ekstatischen Gefühl aufgeht. Da braucht Watkins keine einzige Zeile zu singen.

„But sometimes it gets away from me //
so i try my best to plant my feet // …
think i’ll go away for a while //
see if i grow“
(aus „Planted“).

Watkins komponiert Musik, die Unsicherheit nicht negiert, jedoch einfach durch ihre schlichte Schönheit Kraft und Zuversicht für einen Neuanfang spendet. „Eclipse“ mit seiner shoegazey Schüchternheit springt einen sicher nicht an, ist eher die Liebe auf den zweiten Blick, wenn man sich darauf einlässt, und somit ein klassisches Grower-Album.

Jonatan Biskamp

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"Planted" im Stream
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