Newcomer

Skagen


Die Bandmitglieder:
Mikael Jan Sebastian Ahlmeyer (Gesang, Akustikgitarre, Mundharmonika)
Gerrit Hemmesmann (Gitarre)
Jan Müller (Bass)
Simon Rauland (Schlagzeug)
Sascha Vennemann (Percussion)

Discographie:
Sorry, Sun (2005 Waggle Daggle Records)

Webseiten:
www.skagen-music.com
www.waggle-daggle.com
www.myspace.com/skagenmusic

Der Rock ist zentral, der Rock ist lokal. Kaum eine Garagenband gibt es, die sich nicht auch in selbiger zum Schreiben der ersten gemeinsamen Songs getroffen hat. Man kannte sich aus der Schule, aus der Clique, aus dem Jugendclub oder sonst wo her. Doch es gibt auch noch etwas anderes: Eine Indie-Pop-Rock-Folk-Formation, deren Mitglieder sich über ganz Deutschland verteilen! Kann so etwas überhaupt funktionieren? Vielleicht, weil die Band nicht Ska spielt und trotzdem ein Ska im Namen trägt? Scheinbar, denn so klappt es bei der nach der dänischen Landschaft benannten Band "Skagen" Entstanden durch ein Soloprojekt des Sängers und Songwriters Mikael Ahlmeyer, Halbdäne, und schließlich herangewachsen zu einer Band, die sich durch gemeinsame Aufnahmen, sowie auch eine CD Release Tour 2005 letztendlich definierte.

Die Gründungsgeschichte von "Skagen" ist nicht gerade einfach, hier der Zeitraffer: Sascha lernte Mikael über seine beste Freundin kennen, da sie die beste Freundin von Mikael selbst ist. Gerrit und Mikael spielten früher zusammen in einer Band und es gab Zusammenarbeiten zwischen den Musikern. Dann die Umzüge von Mikael ins Rheinland, Gerrit in den Ruhrpott, Sascha nach Ostwestfalen. Jan ("Ich glaube, das Frettchen ist eine Prostituierte") kam durch Mikaels Mitbewohner an die Band heran und Simon (Verlen) wurde durch Mikaels Initiative ins Projekt Skagen hineingezogen.

Erste Hilfen holte sich Mikael fürs Aufnehmen also beim Frankfurter Musiker und Produzenten Simon Rauland und nahm gemeinsam mit ihm die Platte "Sorry, Sun!" im Alleingang, mit Gastmusikern, auf. Hobbyschreiberling und Percussionist Sascha Vennemann unterstütze Mikael beim Songtexte-Schreiben tatkräftig, wenn er nicht sogar allein die Texte auf die von Mikael geschriebenen und Simon produzierten Lieder schrieb.

Nach einer ersten kurzen CD-Release-Tour 2005 ging es auf die "Skandy Dandy Tour" im Frühjahr 2006, wo das Quintett Städte wie Köln, Krefeld, Frankfurt oder Hamburg unsicher machte. Mit dabei: Die Crew bestehend aus Astrid und Steve, multifunktional einsetzbar als seelische Unterstützung, als Roadies und Catering-Chefs. Bei dieser Tour wurde auch ein neuer Song, erstmals geschrieben von der gesamten Band nach einer Vorlage von Mikael und einem Text von Sascha und Steve, namens "Yesterday, Tomorrow and Today" gespielt: "Den Song haben wir in den zwei Tagen geschrieben, die wir für die Tour geprobt haben. Vor unserem ersten Gig in Köln waren wir zwei Tage in Bochum im Proberaum und haben da den Song geschrieben, und dann in Frankfurt im Studio noch während des Einspielens weiter optimiert..." erzählt Sascha. Der Song fällt zwar stilistisch völlig aus dem restlichen Skagen-Werk heraus, aber er ist trotzdem ein Ohrwurm, ein Party Song, schlicht und ergreifend: tanzbar!

Kommen wir also auf die restliche Musik von "Skagen" zu sprechen. Auf ihrer MySpace Seite nennen sie in der Rubrik "Einflüsse" Namen wie Ryan Adams, Jeff Buckley, Wilco, David Bowie und Tocotronic – aber kommt das wirklich hin? "Das ist nicht auf meinen Mist gewachsen. Mikael findet, dass wir so sind, hehe. Und Bowie und Toco mögen wir alle, aber ob das auch wirklich unsere Einflüsse sind? Wir hören sie zumindest", so Sascha – aber was machen dann "Skagen" überhaupt?

Ryan Adams, auch Bright Eyes (nur viel positiver) kommen ihrer Musik stilistisch schon näher – ruhig, sehr akustisch und wunderschön. Instrumente wie ein Cello, die Mundharmonika, der Wurlitzer (Orgel) oder eine Trompete lassen vermuten, dass "Skagen" nicht nur auf einer Schiene – der Akustikgitarrenschiene – fahren will und kann.

In den Songs stecken viel Gefühl wie auch ein Hauch von Ironie: In "Le Coiffeur" wird ein Wesen besungen, dessen Gesicht so wunderschön aussehen könnte, wenn da nicht der schreckliche Haarschnitt wäre. Also nimmt sich der Frisör ihrer an, und verzaubert sie in eine wunderschöne Prinzessin, die jeder gerne haben möchte. Damit er aber sie für sich behalten kann, verunstaltet er sie wieder und aus der Prinzessin wird ein unscheinbares Mäuschen. Die Stimme schreit einen regelrecht an, Gutes zu tun und seinen Mut in die Hand zu nehmen, die Gitarren helfen einem, sich das Temperament zu bewahren, nichts zu überstürzen und die Rhythmusinstrumente und der Bass geben den Herzschlag an – wenn Musik berührt, dann diese! Es wird eine Geschichte erzählt, eine Geschichte über das Leben, die Liebe und wieder das Leben... nebst wunderschönen Balladen wie "Still there" gibt es kräftige Songs wie "Neverending Time", die vor Energie nur so strahlen und dann wiederum düstere Songs wie "Long Distance Runner"... und trotzdem bleibt die Balance erhalten: Ein sehr lebensbejahendes Album, was nicht nur auf der Platte, sondern erst Recht live eingehalten wird. "Skagen" macht eine Musik, die man wirklich zu jeder Gelegenheit, Jahreszeit und Wetterfront hören kann – draußen im Sommer am Lagerfeuer oder über den Dächern deiner Stadt, im warmen Pullover mit Tee in der Hand vorm Fenster, den stürmischen Novemberregen betrachtend, durch den Schnee stapfend oder in der ersten Frühlingssonne, "Skagen" sind einfach da und nicht mehr wegzukriegen.

Wer sich nun selbst von den Live-Qualitäten der Band und sich den multiplen Emotionen hingeben will, die diese Band erzeugt, kann das im kommenden Herbst tun, wenn die jungen Männer wieder auf Tour gehen. Bis jetzt ist nur der Gig im legendären Clubkeller in Frankfurt Sachsenhausen bestätigt, aber weitere werden folgen und auf den genannten Seiten sind diese auch nachzulesen!

Malin Welsch

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.