Konzertbericht

Wallis Bird


Die Irin Wallis Bird hat sich mit ihrer aktuellen Veröffentlichung "Home" von ihrer klassischen Gitarre-Bass-Schlagzeug-Besetzung verabschiedet. Um den neuen Sound auch live umsetzen zu können, hat sie sich die halbe Backing-Band von Dear Reader "geliehen". Ob Bird mit dieser Umbesetzung ihre übliche Live-Qualität halten kann, gilt es auf der aktuellen Tour zu erfahren.

In Bremen kann es passieren, dass Bands, welche im Rest der Republik bereits mittelgroße Venues füllen, von ähnlich großen Läden in Bremen runterverlegt werden, weil der Vorverkauf eher mäßig läuft. Dieses Downgrade erspart sich Wallis Bird in der Hansestadt seit Jahren und füllt lieber konstant den Tower.

So auch an diesem Abend. Den stimmungsvollen Auftakt macht Sam Vance-Law, der gleichzeitig auch als Geiger in Wallis' Live-Band agiert und mit seinem Kammerpop gleich einen Großteil der Hörerschaft zum Zuhören bekommt.

Wallis Bird kommt dann sichtlich gut gelaunt auf die Bühne und erzählt auch prompt den Grund für ihre anhaltende Glückseligkeit. Wallis ist schwer verliebt und dieser anhaltende Endorphinschub hat auch schon ihrer aktuellen Platte "Home" eine ordentliche Ladung Euphorie verpasst. Das Set besteht dann auch zu großen Teil aus Stücken der genannten Platte, welche die neue Bandbesetzung dynamisch intoniert und die Elektronik-Elemente der Platte gekonnt am Instrument umsetzt. So setzt zum Beispiel Wallis' bewährter Sidekick Aidan immer wieder Akzente an Klarinette und Gitarre. Aber auch Songs wie "Bones" oder "Hardly Hardly" der Vorgängerplatten, welche sonst von der Dynamik der vorherigen Backing-Band profitierten, funktionieren auch mit der neuen musikalischen Ausrichtung, nicht zuletzt auch, weil die Irin sie nach wie vor am Limit singt.

Was ein Konzert von Wallis Bird, neben einer mitreißenden Live-Darbietung, ausmacht, sind ihre Ansagen, welche mitunter zu ausschweifenden Anekdoten werden können. So hängt auch das Publikum an diesem Abend an Wallis' Lippen, während sie aufgedreht über Begegnungen mit Riesenspinnen in Australien oder verpatzte Headliner-Shows sinniert. Wahrscheinlich würde sie problemlos einen Konzertabend füllen können, ohne die Gitarre auch nur einmal zu nutzen. So macht sie beides und entlässt ein gut amüsiertes Publikum in die Nacht.

Sönke Holsten

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Rezension zu "Home" (2016)
Rezension zu "Architect" (2014)

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