Konzertbericht

Max Cooper


"Krematorium Wedding" steht in alten Lettern über dem Eingangstor, dahinter erhebt sich episch ein Gebäude mit mehreren Kuppeln. Leichte Zweifel, ob das hier wirklich die richtige Adresse für den heutigen Abend ist – aber die Adresse passt und die herumstehenden Leute wirken auch wie interessierte Konzertbesucher. Willkommen im "Silent Green". Seit wenigen Jahren ist an dieser Stelle ein Kulturquartier entstanden, in dem diverse Aktivitäten stattfinden, wie zum Beispiel der Grund unseres Besuches: Max Cooper präsentiert "Yearning For The Infinite", eine audiovisuelle Show.

Diese findet jedoch nicht im neoklassizistischen Hauptgebäude statt, sondern im sogenannten "Betonbunker". Dieser ist, so die zweite Überraschung an diesem Abend, in einem seitlichen Nebengebäude gelegen. Wobei "unter" besser passen würde, führt eine Rampe doch schnurstracks weit unter die Erde. Dort angekommen landet man in einem weitläufigen, futuristisch wirkenden, unterirdischen Betonraum. Eines ist klar: die Nachbarn werden sich hiervon kaum gestört fühlen.

Support des Abends sind Planet Ujou. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Projekt der beiden Musiker Trashlagoon und Parra For Cuva. Letzterer wusste schon beim Melt zu gefallen und auch an diesem Abend ist der sehr entspannte Wohlfühlelektro ideal zum Reinkommen. Etwa eine halbe Stunde Spielzeit hat das Duo, ehe sich der Vorhang senkt – und auch im Laufe des Abends nicht mehr gehoben wird.

Denn schließlich ist heute eine audiovisuelle Show angekündigt und hierbei muss der Fixpunkt nicht unbedingt auf der handelnden Person liegen. So ist es also eine (transparante) Leinwand, hinter der Max Cooper die Musik des Abends beisteuert, während vor – und auch hinter – ihm gestochen scharfe Projektionen zu seinen Songs (bei wirklich überragender Akustik) laufen. Damit nicht genug – auch jeweils die halbe Seitenwand des Raumes wird mit Projektoren beleuchtet. Cooper selbst ist Bio-Informatiker. Beide Elemente spielen diesen Abend eine zentrale Rolle. Auditiv sind es die vertrackten Soundbasteleien, die er an diesem Abend spielt, visuell die dazugehörigen Videos, welche immer mal wieder Motive aus dem Natur- oder Evolutionsbereich aufgreifen. Klingt komplex? Ist es auch, Cooper spielt experimentellen IDM, der so vertrackt ist, dass sogar Sitzplätze ihre Berechtigung hätten. Wer einen Abend mit ballerndem Techno erwartet hat, ist heute also falsch. Zwar kann er diese Schiene auch bedienen, wie eindrucksvoll die letzten beiden Tracks des Abends beweisen, die übrige Zeit jedoch ist dieser ganze Auftritt eine fordernde Kopfsache mit einer Fülle verschiedenster Eindrücke.

Klaus Porst

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