Konzertbericht

Low


Als im Lido in Berlin das Licht ausgeht, geht draußen ein schöner Oktobersamstag zu Ende. Gerade in einer solchen Stimmung werden Low auch nach zig Alben, noch mehr Konzerten und Jahren Bandgeschichte niemals langweilig. Warum die Band, die den Slowcore mitbegründet hat, niemals nicht besonders sein wird, zeigt sich an jenem Abend.

Low zeigen sich sehr facettenreich, und Sänger Alan Sparhawk ist so gut gelaunt wie schon lange bei keiner Tour mehr. Die Band wirkt so sehr bei sich wie sonst selten, was der Musik noch mehr Magie gibt. Nach gemütlichem Beginn bildet "On My Own" den ersten Ausbruch in den Postrock. Über Minuten zieht die Band das Publikum mit dem stetig wiederholten "Happy Birthday" in den Bann. Schien es am Anfang noch so, als sei das mitunter quatschende Berliner Samstagabendspublikum nicht ganz bereit, so verstummen nun zum Glück die allermeisten. Mit "Spanish Translation" vom großartigen aktuellen Album "Ones And Sixes" folgt das nächste Highlight sogleich.

Die Spannung bleibt nun oben, mit einem guten Mix aus der Karriere der Band, deren Schwerpunkt aber klar auf dem aktuellen Album liegt. Da dieses das beste der Band seit längerer Zeit ist, ist auch die Tour dementsprechend die magischste seit längerem. Low scheinen sich vollends auf ihre großen Stärken zurückzubesinnen. Das Hauptset schließt mit dem großartigen "Landslide", das nahezu zehn Minuten lang die Luft im Saal zerschneidet. Nach diesem Ausrufezeichen kann nur eine Pause kommen.

Doch die Band kommt schnell zurück, die Zeit ist knapp, und Low haben Lust. Mit "Canada" folgt der vielleicht einzige Hit der Band, die weiteren Zugaben "Words" und der wundervolle Abschluss "Sunflower" werden auf der Bühne abgesprochen. Leider muss die Band schon gehen; dass sie auch gern weitergemacht hätte, wirkt glaubhaft. Eine Band mit einem Backkatalog wie Low in dieser Spiellaune könnte gerne noch Stunden weiterspielen, doch auch diese anderthalb Stunden sind schon eine wahre Wonne.

Daniel Waldhuber

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