Konzertbericht

Feist


-2 Grad Celsius und einen Block vom Black Cat entfernt – so sah die Situation an diesem Abend aus, an dem Feist im Black Cat spielen sollte. Betrachtete man sich die wartende Menschenschlange, so fiel direkt auf, dass das Publikum an diesem Abend sehr gemischt sein sollte. Zu den typischen Black Cat Besuchern, d.h. Indie-Musikliebhabern und Collegestudenten, hatten sich ein paar ältere Herrschaften in feiner Kleidung, konservativ gekleidete junge Damen und streng aussehende Herren gesellt. Aber eine Gemeinsamkeit hatten sie wohl alle: sie wollten Feist live erleben!

Vor knapp einem Jahr, als Feist Vorband von British Sea Power war, war der Club nur halb gefüllt gewesen, als Support von Broken Social Scene vor ein paar Monaten hatte Leslie Feist mehr Aufmerksamkeit erregt und nun war das Black Cat restlos ausverkauft. Ihr Charisma und Musiktalent scheinen also gewirkt zu haben.

Nun, da Mrs. Feist Rollen getauscht hatte, brachte sie ihren eigenen Support mit. Und zwar Jason Collett mit seiner Band. Unbekannt ist dieser nicht, denn als Broken Social Scene Gitarrist und natürlich ebenfalls aus Kanada stammend, läutete er den Konzertabend ein. Singer/Songwriter Jason Collett verstand es die Songs auch schauspielerisch umzusetzen, zum Beispiel in dem er unterstützt von starker Gestik dramatisch flehte oder überrascht nach seinem imaginären Handy griff. Seine Musik, die von Countrymusic und Folk geprägt ist, kam sehr gut beim Publikum an (auch wenn zum Zeitpunkt des Auftrittes der Band noch die Hälfte des Publikums vor dem Black Cat in der Kälte zitterte). Leslie Feist ließ es sich nicht nehmen und unterstützte ihn bei zwei Songs, zum Beispiel bei "We all lose one another". Jedenfalls konnte Jason Colletts Auftritt überzeugen und man sollte in Erwägung ziehen sein Debütalbum "Idols Of Exile" zu kaufen.

Nun aber zu Leslie Feists Auftritt. Leslie betrat die Bühne alleine und legte direkt mit einem a capella Stück los, das in "When I was a young girl" überging, zu dem die Band auf der Bühne erschien. Und dies blieb Routine für ihren Auftritt: Leslie eröffnete die Songs alleine und die Band stieg langsam ein. Als zweiten Song präsentierte sie "The Build Up", ein Stück, dass sie mit den Kings of Convenience aufgenommen hatte. Zwischen den Songs schaffte sie es immer wieder dem Publikum, das gebannt von ihrer Ausstrahlung und gefesselt von der Musik da stand, ein Lächeln zu entlocken. Scheinbar verstehen es kanadische Künstler mit dem aus US- Amerikanern bestehenden Publikum zu kommunizieren, gleiches hatte auch schon Jason Collett bewiesen. Weitere Songs an diesem Abend waren "One Evening", "Gatekeeper" und "Now at last". Als Highlight kann man wohl das Bee Gees Cover "Inside and Out" bezeichnen. Feists Version dieses Songs ist einfach wunderbar! Natürlich verfehlte auch ihre Version von Ron Sexmiths "Secret Heart" nicht die Wirkung, denn die Zerbrechlichkeit und Traurigkeit war fast greifbar. Zum Schluss wurde "Let it die" gespielt. Dieser emotional sehr geladene Song gab dem Abend ein gelungenes Ende. Insgesamt war ihr Auftritt vor allem von den Stücken ihres letzten Albums "Let it die" geprägt.

Kurz gesagt: Ein wunderbarer Auftritt. Leslie Feist weiß es einfach das Publikum mit ihrer Stimme und ihrem Charme zu verzaubern. Auch merkt man, dass die Songs live sehr gut und auch rockiger als auf der Platte rüberkommen. Es war eine 1a Perfomance und deshalb bleibt nur zu hoffen, dass Leslie bald auch den Weg nach Deutschland findet, ist ja schliesslich nicht so weit von ihrer Wahlheimat Frankreich aus.

Verena Blättermann

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