Konzertbericht

Amenra


Eine der beeindruckendsten und eindringlichsten Livebands überhaupt sind Amenra. Zwar gab es in den vergangenen zwei, drei Jahren schon genug Möglichkeiten, diese in Deutschland zu sehen, doch ist jeder Auftritt immer wieder ein Maßstab für sich und Beweis, dass die Belgier keinerlei Abnutzungserscheinungen aufweisen. Am 15.02.2019 hat es sie ins Hamburger Knust verschlagen, erster Halt einer Minitour mit Hamburg, Berlin, Wiesbaden und Dortmund.

Support sind dabei Lingua Ignota und E-L-R. Erstere dürfte vom Sound her selbst für Hartgesottene eine Herausforderung sein: Solokünstlerin Kristina Hayter spielt eine Art doom-untersetzten, depressiven Heulgesang. E-L-R hingegen setzen auf melodiösen Postmetal, welcher als Support von Amenra wunderbar passt, lediglich vor dem Problem steht, dass man vom Gesang überhaupt nichts hört.

Zu später Stunde, kurz vor elf, eröffnen dann Amenra wie gewohnt das Set: wuchtiger, druckvoller, brachialer Sound, dem Publikum mit dem Rücken zugewandt – insbesondere Sänger Colin van Eeckhout verbringt so nahezu das gesamte Konzert. Ein Wunder, dass es dabei noch Menschen schaffen, sich im Publikum so laut zu unterhalten, dass man sie über dem unglaublichem Lärm hört. Erst ein herzliches "Halt die Fresse!" in einem leiseren Moment nach einer Viertelstunde sorgt unter großem Beifall für einigermaßen Ruhe – zum Glück beziehen Amenra den Ausdruck nicht auf sich.

Die Bühne des Knust ist klein, der Konzertsaal ein Schlauch mit Säulen und eigentlich prädestiniert dafür, eine ganze Reihe Hindernisse für einen guten Konzertabend zu schaffen. Amenra jedoch sind eine derartig überzeugende Liveband, dass all dies keine Rolle spielt. Der Sound ist perfekt, hinzu kommt die recht überraschende Setlist, in der sogar das sehr, sehr selten gespielte "A Solitary Reign" seinen Platz findet. Zum Abschluss erscheinen Lingua Ignota und E-L-R nochmals auf der sehr kleinen Bühne. Erstere übernimmt den weiblichen Gesangspart bei "Am Kreuz", zum finalen Stück sind es dann insgesamt acht Leute, die einen furiosen Abend mit meinem Monumentalen Riff- und Schreigewitter abschließen. Diese körperliche Wucht, diese unbändige Gewalt muss man einfach einmal erlebt haben.

xxx, Klaus Porst

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