Interview

The Dalles


Gerade mal einen Gig hat die Band gespielt und ist denoch bereits in aller Munde, oder besser gesagt: in aller Ohren! Das mag daran liegen dass die Mitglieder alle aus bekannten Bands stammen: Chris und Udo waren vorher bei Readymade, Gitarrist Oli gehörte zu Seesaw und Tobi zu den Monochords. Nur Frontmann Pese, der auch zur Tourband von Miles gehört, hat mit Crash Tokio noch eine aktuelle Band am Start. Die Bands seiner neuen Bühnenkollegen sind allesamt aufgelöst. Und spätestens seit Audioslave hat die Presse für den Zusammenschluss mehrer Musiker aus ehemals erfolgreichen Bands einen Namen gefunden: Supergroup! So auch die Dalles?

Pese: Meiner Meinung nach ist das keine Indie-Super-Group. Da müssen schon andere Kategorien am Start sein. Wir haben natürlich unseren Background mit anderen Bands, aber das als Supergroup zu bezeichnen finde ich fragwürdig. Steht uns auch nicht so gut zu Gesicht finde ich.

Die Bands der anderen bei The Dalles sind alle aufgelöst. Du bist der einzigste der nebenbei noch eine Band am Laufen hat. Und mit Crash Tokio geht es gerade auch richtig los. Support für Virginia Jetzt, eine wochenlange Tour und Albumrelease. Wieso hast du dich noch den Dalles angeschlossen?

Pese: Am Anfang hat es mich einfach nur interessiert. Im Mai haben die Kontakt zu mir aufgenommen und ich wusste schon dass Ende des Jahres unsere Studioplatte rauskommen wird. Aber ich hab die Demos gehört ohne Gesang und ich wusste nicht so recht wo sie damit hinwollen. Aber ich hab schnell gemerkt, dass ich Gesangslinien dazu finden kann. Erstmal hab ich das nur aus Interesse gemacht, weil ich da Bock drauf hatte. Hatte aber auch nicht gedacht, dass das schon so schnell geht. Das wir jetzt im November schon eine kleine Tour spielen hätte ich nie gedacht.

Aber bei den Dalles wird es doch wohl auch auf Tour, Vetrag, Platte und das alles hinauslaufen, oder?

Pese: Das Gute bei Crash Tokio ist dass wir das gewohnt sind, weil die Nina auch bei Miles eingestiegen ist. Wir haben da keine Berührungsängste mehr mit anderen Bands. Unser Gitarrist hat auch sein Soloprojekt.

Bei Miles haben derzeit auch viele Sorge dass es Richtung Auflösung rauslaufen wird. Kannst du da was sagen?

Pese: Das kann ich dir nicht beantworten. Gilbert, der Gitarrist ist ausgestiegen. Ein Album ist geplant, nur wann das passiert kann ich nicht sagen.

Bei Readymade war es am Anfang auch unklar. Im April habt ihr dann aber eine klare Aussage getroffen.

Chris: So klar ist das ehrlich gesagt nicht. Ich weiß zum Beispiel nicht ob die Band aufgelöst ist oder ob sie noch existiert. Ich weiß nur dass es eine Auszeit ist. Das kann Ewigkeiten dauern, vielleicht klappt es nie mehr, aber den Schlussstrich hat keiner gezogen. Vielleicht hat auch keiner den Mut gehabt den zu ziehen. Es kann aber auch gut möglich sein dass es irgendwann wieder weiter geht. Da ist kein endgültiges Wort gefallen.

Ist das bei den Aufnahmen passiert?

Chris: Eigentlich hatte Zac vorgehabt mit uns ein neues Album im neuen Jahr zu machen. Ich sag das extra so, weil wir hatten es schon vorher vor. Aber da kam halt die Tobacco-Platte dazwischen, was auch okay ist. Aber ich glaube er wollte auch keine neue Readymade-Platte machen, vielleicht war der Kopf einfach noch nicht frei. Das wäre für ihn dann erst Anfang diesen Jahres gewesen. Aber da gabs dann schon arge Probleme. Das waren keine dramatischen Sachen, aber da kam so eins zum Anderen. Und dann war es er, der doch keinen Bock mehr hatte. Und jetzt sind wir an diesem Punkt. Dann haben wir uns dieses Rocco-Konzert als Deadline gesetzt. Wir haben gesagt: Wir spielen jetzt das Konzert und schauen mal wie so die Stimmung in der Band ist. Wie wir uns fühlen und ob uns das Spaß macht. Jetzt kam noch ein weiteres Problem dazu: Bei diesem Konzert konnte unser Gitarrist wegen familären Problemen nicht teilnehmen. Das war also eine denkbar ungünstige Situtation die weitere Bandgeschichte von diesem Gig abhängig zu machen. Der Gig war totale Katastrophe, hat keinem Spaß gemacht und keinem Mut gemacht oder gezeigt in welche Richtung es geht. Nach dem Gig sagte Zac er braucht jetzt eine Pause.

Konnte man gar nicht mehr miteinander reden oder konnte man sich beim Reden nicht mehr auf einen Punkt einigen?

Chris: Keine Ahnung. Ich weiß nicht was es war. Das sind viele Sachen.

Das Rocco-Konzert war dann ja auch gleich der Grundstein für The Dalles.

Chris: Ja genau. Das war das letzte Readymade-Konzert, aber gleichzeitig der Anfang von dieser neuen Band. Wir haben ein Stück gespielt, allerdings ohne Sänger. Pese kam dann danach dazu.

Das heisst ihr habt die Songs schon vorbereitet. Nur die Texte haben noch gefehlt?

Chris: Genau.

Wie war das dann für dich Texte auf schon fertige Songs zu schneidern. Bei Crash Tokio ist dieser Prozess ja bestimmt anders?

Pese: Wir machen sehr viel gemeinsam im Proberaum. Das war schon ein ganz anderes arbeiten. Aber das war auch ein Reiz für mich. Ich hätte auch nicht die Kraft und die Zeit gehabt mich da noch kompositorisch einzubringen. Als ich die Demos hatte in München hab ich gemerkt dass mich was anspricht und mir da was einfällt.

Hast du andere Themen gewählt? Das du nun sagst für diese Themen hab ich die Band und für die andere Band was anderes?

Pese: Ich bin gernerell nicht der Sänger der unterscheidet. Die Dalles Songs sind teilweise kommerzieller und ich schaue dass man da einfache Worte findet. Aber es wird nie platt sein, sonst würde ich es nicht singen wollen.

Du hast vor der Show in Mainz gesagt du hättest etwas Bammel davor ohne Instrument auf der Bühne zu stehen und den Frontmann zu machen. Wie lief das beim ersten Gig?

Pese: Ich bin es halt gewohnt eine Gitarre in der Hand zu haben. Das war schon eine Überlegung: Was werd ich denn jetzt machen? Ich hab es nie ausprobiert. Ich stehe seit ich auf der Bühne stehe immer mit einer Gitarre in der Hand. Ich war schon aufgeregt. Aber ich wollte auch nicht Posen studieren, das liegt mir gar nicht. In Mainz hat das super geklappt. Aber das war jetzt ein Konzert, kann auch sein das mir morgen nix einfällt. Aber überraschend hab ich mich sehr wohl gefühlt.

Wie kamt ihr denn auf Tobi von den Monochords als zweiten Gitarrist?

Chris: Udo und ich haben den Olli Rüger kennengelernt. Und nachdem wir uns ein paarmal getroffen haben, hat er gemeint: "Du, ich kenn noch einen super Gitarristen mit dem würde ich gern mal was zusammen machen und ich glaube der passt auch super." Und dann haben wir das ausprobiert und das war tatsächlich super. Dann haben wir auch mit verschiedenen Sängern Sachen probiert und das waren auch nicht so die Gitarristen. Das war dann gut dass der Tobi da war um Gitarre zu spielen. Wir haben das auch nicht zusammengewürfelt um die besten Musiker überhaupt zu finden. Wegen dieser Indie Supergroup Geschichte. Es geht eher darum dass man mit den Leuten gut kann und das man Spaß hat. Ich denk hier nicht an Kohle oder sonstwas. Es macht mir einfach Spaß diese Hooklines und Hymnen zu spielen, auch vor drei Leuten.

Ihr habt also mehrere Sänger ausprobiert bis ihr auf Pese gestoßen seid?

Chris: Es gab eine Zeit wo wir ziemlich verzweifelt waren. Du hast da dann fünf Lieder rumliegen, die sind fertig auf Band und die warten noch auf Gesang. Da denkst du dir: Mensch, das gibts doch nicht! Aber es ist superschwierig einen Sänger zu finden. Die meisten die schon in Bands sind, sind beschäftigt. Und in der kleinen Szene kennen wir uns nicht mehr aus. Also fragst du Sänger von etablierteren Bands, aber die haben einen vollen Terminkalender.

Wenn man gerade so den Aufbau verfolgt, mit Homepage, Demos, Gigs, Merchandising, Logo, Plakaten und so weiter, dann wirkt es als hättet ihr eine Menge Freude daran wieder in einer Band zu spielen die von Null beginnt.

Chris: Das macht schon Spaß. Das ist eine Herausforderung die auch superviel Energie kostet. Ab und zu fällt es einem auch nicht leicht. Es freut mich wenn die Arbeit honoriert wird. Aber es gibt auch viele Sachen wo ich dann enttäuscht bin. Auch von Leuten die ich noch von Readymade-Zeiten kenne und das verletzt einen dann auch. Dann sieht man aber auch wer zu einem wirklich steht und wer einen damals nur unterstützt hat, weil man Readymade war und ein paar Leute gezogen hat. Das ist schon krass. Das ist der Nachteil wenn man soviel in Management-Angelegenheiten involviert ist. Das kann einen ganz schön runterziehen.

Pese: Ich find das aber auch wichtig für die Band das man soviel selbst macht. Für mich wäre es auch sehr komisch wenn da schon Strukturen wie bei Readymade-Zeiten da wären mit sovielen Leuten außenrum. Das bin ich nicht gewohnt und das wäre mir auch unsymphatisch. Wir haben im Moment alles unter Kontrolle und mit großem Kraftaufwand sehr viel geschafft in kurzer Zeit. Das macht einen auch stolz und bindet einen noch mehr an die Band.

Denkt ihr schon an das Debütalbum?

Chris: Es sind gerade weitere fünf Stücke aufgenommen worden. Aber Pese ist mit Crash Tokio im Moment so eingebunden dass er noch keine Zeit hatte die einzusingen. Aber das wird er dann im neuen Jahr machen. Das Album ist also nicht mehr so weit weg.

Da gibt es doch sicher schon Anfragen von großen Firmen?

Chris: Es gibt schon Interesse und Angebote. Es ist jetzt niemand dabei der uns sofort einen Vertrag hinlegt.

Pese: Wir müssen uns auch erst einen Status erspielen. Wir können nicht einfach hergehen und sagen: Wir sind Mitglieder von Readymade, Monochords, Seesaw und Crash Tokio und jetzt ab gehts! Wir wollen erstmal sehen wo im großen Musikgeschäft wir uns überhaupt sehen. Wir haben da keine Eile. Und eventuell überlegt man das man alles selber macht. Was mit sehr viel Anstrengung und Kraft auch möglich wäre. Aber das würde auch Spaß machen.

Chris: Eigentlich bräuchte man nur einen Vertrieb der die Platte in die Läden bringt. Da hätte man weiterhin alles in einer Hand. Wir hatten bei Readymade mehr Stress mit Management als ohne. Ich hatte meine größte Telefonrechnung mit dem Management. Dann kann ich das auch selbst machen.

Wie gespannt ist man denn in Wiesbaden? Mit Readymade hattet ihr ja schon einen gewissen Regionalstatus....

Chris: Ne, komischerweise gar nicht. Wiesbaden war komisch. Wir haben mit Readymade auch nie so oft in Wiesbaden gespielt. Da war auch immer so eine Anspannung. Da waren nie mehr Leute da als in anderen Städten, eher weniger als im Durchschnitt. Eine zeitlang hat uns das auch frustriert. Auch wenn du mal willst dass in Wiesbaden deine CD besprochen wird, das war superschwierig. Du hast dir doppelt den Zahn ausgebissen um mal Presse zu bekommen. Und wenn dann wenig Leute da sind und auch die Stimmung komisch ist, das macht einen dann ein bißchen traurig. Die Sportfreunde kommen nach Hause und spielen in der Olympiahalle.Ich finde aber Wiesbaden ist eine schöne Stadt. Die Gebäude und die Atmosphäre mit den vielen Parks und der Fußgängerzone, ich finde das eine richtig schöne Stadt. Man kann da schön zurückgezogen leben. Es ist eine gemütliche Sache. Und ich muss dir ehrlich sagen: Im Rhein-Main-Gebiet würde ich wieder Wiesbaden wählen. Ich finde weder Frankfurt, noch Mainz oder Darmstadt interessanter.Vor ein paar Wochen war ich bei YouFM und da hat der Redakteur gesagt: "Wiesbaden Rock City". Und ich sollte das unterstreichen. Entweder ich bekomm das aus irgendwelchen Gründen nicht mit, aber ich finde es gar nicht als Rock City. Es gibt einen Laden und das ist der Schlachthof. Und wenn es den nicht gäbe - dann gäbe es gar nichts.

Carsten Roth

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