Interview

Sunset Sons


Surfer-Jungs aus Australien haben sonnendurchflutete Gute-Laune-Musik vermutlich einfach im Blut, möchte man meinen. Sunset Sons jedenfalls können sich genau das auf ihre Fahnen schreiben, finden es dennoch zu einseitig, nur auf dieses Klischee der sonnengebräunten Wellenreiter reduziert zu werden – zu recht. Auf ihrem Debüt gibt es auch harte Riffs und melancholische Momente. Und Drummer Jed trinkt während des Interviews kein Rockstar-Bier, sondern frischen Pfefferminztee. "Wir sind offen, Mann: Jeder wie er es mag!"

Ich habe euch das erste Mal auf dem Haldern gesehen. Ihr habt super zu den warmen Temperaturen des Festivals gepasst.

Jed: Haldern? Dieses Festival an der niederländischen Grenze? Ja, das war der Wahnsinn! Tolles Festival, tolles Publikum! Das war super. Allerdings muss ich zugeben, dass uns die ganze Tour sehr gefallen hat. Es war unsere erste richtige Tour und wir hatten wirklich sehr viel Spaß!

Ich stelle mir das ein bisschen vor wie ein paar Jungs auf Klassenfahrt.

Jed: Genauso war es auch! Ich meine, es gibt immer die Nachteile am Touren und da redet ja auch jede Band drüber, jeder weiß, dass es scheiße sein kann, jeden Tag ewig weit zu fahren, lange weg von daheim zu sein und so weiter. Aber wir haben es ehrlich gesagt einfach genossen und haben viel Spaß gehabt. Ich glaube, wir haben schnell gelernt, auf Tour keine Kontroll-Freaks zu sein, dann geht das alles.

Wie genau meinst du das?

Jed: Wir geben als Band natürlich immer unser Bestes – keine Frage. Aber darüber hinaus können wir nichts tun. Wir können niemanden zwingen, unsere Konzerte zu besuchen oder uns toll zu finden. Manche Dinge passieren nun mal, oder sie tun es nicht.

Ähnlich ist es euch bei den Aufnahmen eures Debüts ergangen, oder?

Jed: Ja, genau. Wir waren lange auf Tour, bevor wir schließlich ins Studio gegangen sind, haben uns darauf vorbereitet und haben uns ein tolles Studio ausgesucht: Wir waren in den Black Bird Studios in Nashville und hatten diesen krassen Vibe dort, der uns sehr begeistert hat! Diese tollen Instrumente und die Atmosphäre – super! Wir haben da aufgenommen und irgendwann, mittendrin, mussten wir wieder aufhören, weil wir wieder auf Tour mussten. Also haben wir irgendwo in Frankreich weiter aufgenommen – uns blieb ja nichts Anderes übrig: Wir wollten das Album gerne fertigmachen. Allerdings haben wir in der Zwischenzeit dieser beiden Recording-Sessions neue Songs geschrieben. Die Stücke, die wir aus Nashville mitgebracht haben, sind letztendlich nur marginal auf dem Album gelandet. So ist das eben!

Auf eurem Debüt hört man viel Sehnsucht. Woher kommt die?

Jed: Sicherlich vom vielen Unterwegssein, aber auch, weil es grundsätzlich in uns steckt. Sehnsucht hat immer etwas mit einer gewissen Romantik zu tun, die man sich vorstellt. Das ist schon ein starkes Gefühl.

Das klingt nun aber so gar nicht nach dem klischeehaften "Surfer-Boy"-Image, das euch häufig aufgedrückt wird. Du hast mal gesagt, dass das Surfen euch nicht definiert. Was genau definiert euch als Musiker denn?

Jed: Ich glaube vor allem, die Bewegung ist das, was uns innewohnt. Zum Beispiel sind wir immer "auf dem Weg": Wir wollen bessere Songwriter, bessere Musiker werden und sind dahin unterwegs. Wir wollen immer dazulernen. Aber auch als Menschen ist diese Bewegung irgendwohin wichtig für uns. Dennoch ist es nicht so, dass wir ein ernsthaftes Problem damit haben, als "Surfer-Band" bekannt zu sein. Hätten wir uns nicht am Strand in Australien beim Surfen kennengelernt, gäbe es die Band gar nicht. Natürlich ist dieser Einfluss auch auf dem Album zu hören.

Dennoch scheint der Name des Albums eher ernster Natur zu sein, oder? Immerhin kommt das Wort "tot" darin vor.

Jed: (lacht) Das darf man nicht allzu ernst nehmen! Versteh mich nicht falsch, wir nehmen unsere Musik sehr ernst. Der Name kam aber durch folgende Situation: Wir saßen alle gemeinsam im Van. Es war irgendwo in Frankreich, es war nachts und wir sind irgendeinen Berg hoch gefahren. Die Straßen waren eng und extrem kurvig und die Außenwelt kam uns ganz schön unheimlich vor. Irgendwer meinte plötzlich "We?re gonna die out here" und Rory antwortete darauf "No! We very rarely say die!" Diese Antwort war dann unser Running-Gag auf der Tour, weil wir sie so witzig fanden. So ist es dazu gekommen, dass wir unser Album so genannt haben.

Sieht auf dem T-Shirt des Covers auch ziemlich cool aus!

Jed: Das ist uns auch direkt aufgefallen! Selbst wenn unsere Musik nichts taugen würde – dieses T-Shirt würde ich mir sofort kaufen!

Silvia Silko

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Rezension zu "Very Rarely Say Die" (2016)

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