Interview

Shout Out Louds


Ihrem Namen machen die Shout Out Louds nach wie vor keine Ehre. Stattdessen sitzen Sänger Adam Olenius und Gitarrist Carl von Arbin mit einem Glas Wein im Garten des E-Werks und erzählen in aller Seelenruhe von ihrem neuen Album "Our Ill Wills".

Als ihr das letzte Mal in Erlangen gespielt habt, waren The Essex Green als Vorband dabei. Eigentlich hatte ich darauf gehofft, dass ihr sie wieder mitbringt.

Adam: Wir trafen die Band im Sommer in New York, eine der Sängerinnen ist schwanger.

Das heißt, sie machen eine Auszeit?

Adam: Ich glaube, dass sie jetzt im Herbst ein neues Album aufnehmen werden. Aber sicher bin ich mir nicht.

Euer Bandbus stand heute Mittag auch schon auf dem Parkplatz. Wart ihr zufällig nebenan im Kaufland?

Adam: Nein, wieso? Was war da?

Jürgen Drews, der "König von Mallorca", war da und hat sein neues Album vorgestellt oder Werbung für irgendwelche Nudeln gemacht.

Adam: (lacht) Nein, wir sind durch die Stadt gelaufen und waren Mittagessen. Außerdem hatten wir letzte Nacht eine kleine Backstage-Party, deswegen waren wir alle etwas müde. Aber, hey, es ist Samstag und an einem Samstag kann man nicht müde sein, denn auf diesen Tag wartet man schließlich die ganze Woche. (lacht)

Dafür habt ihr morgen frei. Wisst ihr schon, was ihr mit der Zeit anfangen werdet?

Adam: Wir werden nach Heidelberg fahren und etwas klettern gehen (lacht). Es ist sehr schön da.

Lasst uns über euer aktuelles Album "Our Ill Wills" sprechen. Was seht ihr als den größten Unterschied zu eurem Debütalbum?

Adam: Es ist sowohl was die Texte als auch was die Instrumentierung betrifft "größer" als "Howl Howl Gaff Gaff". Wir haben mehr Zutaten und etwas weniger Gitarren verwendet und den Fokus eher auf die Rhythmen gelegt.

Seid ihr bewusst in diese Richtung gegangen?

Adam: Schwierig zu sagen. Ein richtiges Konzept stand eigentlich nicht dahinter, aber wir haben schon darüber gesprochen, dass wir das Augenmerk mehr auf das Schlagzeug richten wollen. Außerdem ist das aus der Arbeit mit unserem Produzenten Björn (Yttling von Peter Bjorn & John, Anm. d. Autors) entstanden. Schon als wir vor langer, langer Zeit den Song "Seagull" aufgenommen haben, hatten wir die Idee, das neue Album mit ihm aufzunehmen.

Woher kennt ihr Björn denn?

Carl: Wir haben ihn kennengelernt als wir unser erstes Album veröffentlicht haben. Wenn man in Stockholm wohnt und sich für Musik interessiert, dann trifft man sich automatisch irgendwann, da Stockholm ziemlich klein ist.

Das Album klingt auch in sich geschlossener als "Howl Howl Gaff Gaff". Liegt der Grund darin, dass ihr dieses Mal nur mit einem Produzenten gearbeitet habt während der Vorgänger in mehreren Etappen entstanden ist?

Adam: Man könnte schon sagen, dass das Debüt eher eine Songsammlung ist. "Our Ill Wills" dagegen ist etwas fokussierter, Björn hat seine Ideen zum Beispiel von Anfang an mit eingebracht. Aufgenommen haben wir es dann letztes Jahr innerhalb einiger Monate. Aber ich muss auch sagen, dass sich "Howl Howl Gaff Gaff" für uns wie ein zusammengehöriges Album anfühlt.

Als wir uns das letzte Mal unterhalten haben, hatte ich den Eindruck, dass du, Adam, der alleinige Kopf der Band bist. Trotzdem hört sich das Album jetzt wieder sehr nach einem Bandalbum an - mehr als ich es erwartet hätte.

Adam: Es gab schon viel Input von der Band, vor allem von Bebban, die auch bei einem Lied singt. Außerdem haben wir uns sehr auf ihre Backing Vocals konzentriert. Einige der Songs haben auch ein starkes Kollektivgefühl. Ich schreibe zwar immer noch die meisten Melodien, aber wir haben dieses Mal viel an den Arrangements gearbeitet und sehr viel geprobt, und jeder hat sich dabei eingebracht. Beim ersten Album hatten wir dafür überhaupt keine Zeit. Wir sind einfach ins Studio gegangen und haben aufgenommen.

Ihr habt ja auch das Artwork selbst gemacht. Was hat es denn mit dem Cover und dem Titel "Our Ill Wills" auf sich?

Carl: Wir proben normalerweise in einem Hotel im Zentrum Stockholms, in dem sich hauptsächlich Seeleute aufhalten. Deswegen gibt es dort ein großes Archiv an Marinezeug aus den 1920er, '30er und '40er Jahren - Neptunstatuen, Schiffe, Globen und noch viel mehr. Und wenn wir auf Tour gehen, ist es ja auch ungefähr so als würden wir zur See fahren und alles zurücklassen. Jedenfalls werden diese Flaggen, die man auf dem Cover sieht, bei der Marine zur Kommunikation eingesetzt. Jede Flagge steht dabei für einen Buchstaben, beziehungsweise gibt es zum Beispiel für "tauchen" und andere wichtige Wörter einzelne Flaggen. Und Musik ist eben auch eine Form der Kommunikation. Deswegen haben wir das aufgegriffen.

Was bedeutet denn das Cover der Single "Tonight I Have To Leave It"?

Carl: Das ist der Buchstabe "T".

Adam: Die Flaggen sind so eine Art verborgener Code. Das ist auch die Verknüpfung zum Titel. Eine klare Erklärung kann ich dir dafür eigentlich nicht geben, aber es geht um kleine Geheimnisse, die man so hat und um die dunkle Seite des Einzelnen.

Zwischen den beiden Alben habt ihr die Plattenfirma gewechselt. War das eure Entscheidung?

Adam: Virgin Records hatte Capitol Records aufgekauft. Daraufhin wurden erstmal alle Leute, mit denen wir zusammen gearbeitet haben, gefeuert - wir ebenso. Aber wir kannten natürlich schon genügend Leute, an die wir uns wenden konnten. Und deswegen haben wir dann angefangen, mit Merge Records zu arbeiten. Ich meine, es ist zwar nichts Schlimmes dabei, auf einem Major Label zu sein, aber die Liebe zur Musik kommt bei diesen Labels doch immer etwas zu kurz. Bei Merge Records ist das jetzt besser. Wir haben auch ausschließlich gutes über Haldern Pop Recordings gehört, deswegen wurde das Album in Deutschland darüber veröffentlicht. In Australien und Japan haben wir wieder ganz andere Labels.

Carl: Für Schweden ist es zum Beispiel immer noch Bud Fox.

Adam: Das alles bedeutet natürlich mehr Arbeit und mehr Leute, mit denen man sprechen muss. Aber eben auch mehr Freiheit.

Carl: Dadurch, dass es mit Capitol Records vorbei war, hatten wir wieder alle Optionen offen, und wir konnten alles genauso machen, wie wir wollten.

Gibt es eigentlich irgendeine Sache, die ihr nicht selbst macht? Den Tourbus fahren oder so?

Carl: (lacht) Das ist nunmal der beste Weg für uns. Als wir mit diesem Projekt angefangen haben, war Musik nicht das einzige in unserem Leben, sondern nur ein Teil davon. Und dadurch, dass wir alles selbst machen, haben wir zum einen etwas Abwechslung und zum anderen bekommen wir nochmal einen anderen Blickwinkel auf die ganze Sache.

Adam: Uns interessiert das alles auch wirklich. Carl zum Beispiel macht eben sowieso viel Grafikzeugs. Da wäre es seltsam, zur Plattenfirma zu gehen, und zu sagen "Oh, dieses Cover sieht schön aus. Das nehmen wir."

Matthias Kümpflein

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