Interview

SDNMT


Mit einem Vierteljahr Verspätung kamen die Berliner SDNMT an den winterlich anmutenden Bodensee um das neue Album dem Publikum zu präsentieren – ein Bandnamen ohne Vokale. Krude Songtitel. Was sich dahinter verbirgt und in welches Genre sie überhaupt einzuordnen sind, verrieten uns Matthias und Jan frisch gestärkt nach dem Abendessen im Konstanzer Kulturladen.

Ihr werdet gerne in die Postrock-Schublade gesteckt. Wie wohl fühlt ihr euch mit der Kategorisierung eurer Musik?

Jan: Irgendwo muss man ja drin stecken.

Matthias: Ich find das erstmal auch nicht schlimm. Es gäbe ja auch schlimmere Schubladen, in die man uns stecken könnte, glaub ich. Ich weiß nicht – insbesondere bei der neuen Platte – ob es noch zutrifft. Postrock, wie ich ihn mir vorstelle, klingt etwas anders.

Es gibt aber dennoch zwei, drei Songs, die in die Schublade gehören.

Matthias: Stimmt schon. Früher noch eher. Da wollten wir vielleicht auch noch mehr dort reinpassen. Und mittlerweile nicht mehr so.

Wie würdet ihr selbst eure Musik beschreiben, wenn ihr sie kategorisieren müsstet?

Jan: Mittlerweile Indie-Rock. Ich find aber auch, dass beides gefährlich wäre. Mit Indie-Rock wären die Bloc-Party-Fans nicht zufrieden und Postrock schreckt vielleicht Leute ab, denen es auch gefallen würde.

Indie-Rock als Kategorie ist meiner Meinung nach aber auch zu vielschichtig...

(Zustimmung)
Jan: Sind wir schon ganz happy mit.

Matthias: Wir geben uns jetzt aber auch keine große Mühe, da irgendwas zu finden. Das machen die Leute schon von alleine, und das ist auch ok so. Ich habe auch noch nichts gelesen, wo ich dachte, das geht mal so überhaupt nicht.

Ihr habt das vorhin schon kurz angedeutet. Zu eurer Anfangszeit gab es viele Instrumentalstücke...

Matthias: Das würde dann auch schon eher in die Postrockschublade passen, und mittlerweile ist es auch eingängiger geworden.

Hat sich dabei auch die Herangehensweise an neue Songs geändert?

Matthias: (überlegt kurz): Songs machen wir eigentlich genauso wie vorher.

Auch der dazugekommene Gesang...

Jan: Das hat sich so ergeben. War vorher auch so. War einfach niemand da, der es gemacht hat. Irgendwann war halt mal jemand da, der es als erstes gemacht hat, war halt der Felix. Dann war der Sebi von Kate Mosh da, dann hat der das gemacht. Und wir singen mittlerweile auch selber. Wenn einfach mal jemand da war, der's probiert, dann wurden auch wir mutiger und haben's auch mal probiert. Das wächst von alleine glaub ich und man wird auch erwachsener. Man probiert einfach mal andere Sachen aus.

Matthias: Und die Songs mit Gesang sind ja auch nicht aus dem Gesang entstanden, sondern der Gesang ist halt noch auf die Musik draufgekommen. Also da hat sich nicht viel geändert in der Art, wie die Songs entstehen.

Ich habe auch gelesen, dass ihr bei eurem neuen Album die Instrumente "analog" aufgenommen habt und dass ihr weniger am Computer gebastelt habt.

Jan: Das stimmt nicht.

Das stimmt nicht? Ok.

Matthias: Aufgenommen schon, was Bläser und Streicher anbelangt

Jan: Ach so, ja ok. Wir haben echte Instrumente benutzt. Aber tendenziell mehr Elektronik drauf und wir haben ja auch mit ProTools aufgenommen.

Genau, das hatte ich gemeint.

Jan: Die Instrumente haben wir in echt aufgenommen und ich denke, das wird mehr werden. Es macht einfach mehr Spaß. Das sind auch Leute, die agieren ja auch. Wir sagen denen nicht "Spiel das jetzt so", sondern die haben nen eigenen Input.

Matthias: Ich finde, man hört das auch. Es klingt einfach lebendiger.

Da habt ihr mir eine Frage vorweggenommen. Ihr arbeitet ja auch viel mit Gastmusikern zusammen, die euch unterstützen, wie zum Beispiel Sebastian von Kate Mosh.

Jan: Der Sebastian ist jetzt leider auch schon wieder weg. Er hat halt private Dinge zu erledigen und das ist auch in Ordnung. Und er widmet sich Kate Mosh auch wieder sehr ernsthaft. Da haben wir jetzt Andreas von Siva und I Might Be Wrong und der ist super. Auch super. Beide sind super. Aber der Sebi hat an der Platte mitgearbeitet und hat jetzt halt nen anderen Status und ist vollwertiges Bandmitglied gewesen und Andreas wurde jetzt erst vollwertiges Mitglied.

Matthias: Und Anne haben wir halt noch dabei, die Cellospielerin, die jetzt nicht mit auf Tour ist, aber die normalerweise auch bei Konzerten mit dabei ist.

Hat eure endgültige Festlegung auf den abgekürzten Namen SDNMT eine besondere Bewandnis, die mit dem neuen Album zusammenhängt?

Matthias: Die Abkürzung war früher schon da, und es hat uns jetzt auch überrascht, dass auf Plakaten Ex-Seidenmatt und so steht. Wir hatten ja schon seit wir angefangen haben die Abkürzung verwendet und jetzt haben wir einfach nur die Abkürzung auf die Platte geschrieben.

Jan: Die Leute sagen ja auch Seidenmatt und sollen auch weiterhin Seidenmatt sagen. Das ist jetzt einfach eine, ich sag mal, sexyere Schreibweise.

Eure Albentitel, wie jetzt z.B. beim aktuellen "The Goal Is To Make The Animals Happy" lassen Konzepte dahinter vermuten. In den Songs werden diese aber nicht aufgegriffen...

Jan: Die Namen sind eher so Alltagsbeobachtungen. Das sind Dinge, die laufen uns über den Weg. Wenn man in einem recht guten mentalen Kontext Musik macht, will man den Stücken auch einen Namen geben. Einfach nur Lied 1, Lied 2, Lied 3 kommt einem eben recht langweilig vor. Es laufen einem einfach Dinge über den Weg, die wir interessant finden, die nehmen wir dann auf. "The Goal Is To Make The Animals Happy" war einfach stark, war schön und jeder kann seine eigene Message da reinpacken.

Eure Songtitel sind teilweise auch außergewöhnlich. Gerade bei "G.ranulat U.nd Z.ehren Y.all" dem letzten Song von der aktuellen Platte fragt man sich, woher kommen diese Titelideen?

Jan: Ok, bei dem ist das jetzt ein bisschen komplizierter gewesen. Wir hatten einem Freund mal versprochen, dass wir einen Titel nach ihm benennen und da wir nicht so offensiv damit umgehen wollten, haben wir die Anfangsbuchstaben von ihm genommen und daraus noch Wörter gebaut. Und es ist auch schön, dass sich die Leute auch Gedanken darüber machen.

Ihr seid in eurem Label Sinnbus auch selbst personell mit eingebunden. Profitiert ihr als Band von der engen Verknüpfung oder liegt darin auch ein gewisses Konfliktpotential?

Matthias: Das ist jetzt schwierig, da gerade wir beide nicht integriert sind.

Jan: Es ist natürlich so, dass die Bindung an ein Label super ist. Man steckt halt in einer Community. Da ist auch ein ganz anderer Support, es ist einfach persönlicher. Du sprichst einfach direkt mit den Leuten. Das ist natürlich genial und wir sind ja auch bei Sinnbus in nem Umfeld von super-genialen Bands. Das darf man auch nicht vergessen, so Alarma Man, Bodi Bill, Beach. Einfach Hammer, mit den Bands auf einem Label zu sein. Dass wir das mit aufgebaut haben, ist eine natürliche Entwicklung gewesen. Uns hätte damals einfach keiner genommen, also haben wir das einfach selbst gemacht. Und es wäre ja auch blöd, dann nicht dabeizubleiben. Man ist ja ein Teil der Entwicklung. Ich glaube, Band und Label haben sich parallel auch ganz gut entwickelt, das heißt, es gibt da auch keinen Konflikt.

Matthias: Es gab jetzt auch bei der neuen Platte nicht wirklich Überlegungen, woanders hinzugehen. Es passt einfach alles und wir sind sehr zufrieden damit.

Dann bedanke ich mich für das Interview und freu mich auf das Konzert.

Thomas Raich

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