Interview

Mogwai


Dank der tollen Zusammenarbeit mit unseren französischen Kollegen von PIAS Records war es uns möglich, eine der Bands der Stunde zum Interview zu bitten. Mogwai, die wie wohl kaum eine andere Band eine Melange aus sphärischen Klängen und Krach geschaffen haben, geben sich in Strasbourg die Ehre, um ihr neues Album "Mr. Beast" zu promoten. In einem hotelähnlichen Zimmer warten wir auf den Mann, der als Kopf der Schotten fungiert: Stuart Braithwaite ist der "Gelegenheitssänger" und Gitarrist. Ein verhältnismäßig kleiner und leicht untersetzter Mann, der an einer Cola nippt und dabei einen erstaunlich freundlichen Eindruck macht. Wie ein schottischer Whiskeyhersteller, ist der erste Gedanke. Genauso wenig hat er dann auch zu sagen, aber lest selbst.

Auf dem neuen Album macht ihr wieder sehr wenig mit Gesang. Kommt das daher, dass ihr dem Hörer möglichst viel Spielraum für Interpretationen lassen wollt?

Stuart Braithwaite: Eigentlich liegt es einfach nur daran, dass wir unsere Musik am Besten rein instrumental schreiben können. Da liegt keine Absicht dahinter. Unsere Stärken liegen ganz klar mehr in der Musik selbst, als im Schreiben von Lyrics.

Der Albumtitel klingt sehr außergewöhnlich. Warum habt ihr es "Mr. Beast" genannt?

Stuart: Das war so: Wir haben auf einem Flughafen einen Taxifahrer gesehen, der ein Schild hochhielt, auf dem stand "Mr. & Ms. Beast". Das fanden wir so lustig, dass wir das einfach genommen haben. Im Grunde hat der Titel überhaupt keine Aussage oder Verbindung zu den Songs.

Und wie sieht es mit der Verbindung zwischen Songtiteln und den Songs an sich aus?

Stuart: Auch das sind einfach nur wahllos gewählte Titel. Es ist immer so, dass wir mal irgendwas sehen oder lesen und das dann so lustig finden, dass wir es als Songtitel auswählen. Wir wollen damit keine Message verbreiten, sondern benutzen das einfach, um unsere Songs irgendwie zu benennen.

Das Artwork von "Mr. Beast" gibt auch einige Rätsel auf. Was hat es damit auf sich?

Stuart: Ich hab keine Ahnung! Wir sahen diese Bilder und fanden sie einfach großartig.

Schreibt ihr eure Musik über besondere Gefühle und Begebenheiten, oder wollt ihr einfach gewisse Atmosphären damit kreieren?

Stuart: Wir wollen einfach nur gute Musik schreiben. Ich glaube nicht, dass es gewollte Verbindungen zu bestimmten Situationen gibt. Es ist einfach eine Form des Ausdrucks der gesamten Bandmitglieder, aber nichts spezielles.

Wie fangt ihr an Songs zu schreiben? Für mich hört sich das immer an, als ob das Alles aus einem Guss entstanden ist.

Stuart:(lacht) Wirklich? Da bin ich jetzt richtig stolz, dass das so klingt! In Wirklichkeit hocken wir uns wie eine ganz gewöhnliche Band zusammen, spielen drauflos und sammeln Ideen. Irgendwann findet dann einer eine tolle Melodie oder einen guten Part und dann arbeiten wir dran.

Was sind aus deiner Sicht die Hauptunterschiede zwischen "Mr. Beast" und euren bisherigen Alben?

Stuart: Ich denke auf dem neuen Album gibt es eine größere Vielfalt an Sounds und die Songs sind an sich geschlossener. Vielleicht ist es auch unser lautestes Album bisher. Es ist quasi eine logische Weiterentwicklung unserer bisherigen Arbeit.

Stephen Malkmus sagte über euch, dass ihr "die Band für das 21. Jhdt. seid". Was denkst du darüber?

Stuart: Oh, das ist wirklich ein tolles Kompliment! Das hat er ja schon gesagt, als wir noch alle Jobs hatten und wir noch nicht wirklich als Band etabliert waren.

Würdest du ihm zustimmen?

Stuart:(wird verlegen) Nunja, wir sind ja gerade erst am Anfang des neuen Jahrhunderts. Da wird sicher noch so einiges kommen, auch lange nach unserer Zeit.

Eure Konzerte sind immer sehr laut. Liegt das daran, dass eure Musik dadurch am Effektivsten wird?

Stuart: Hmm, wir lieben es einfach, so richtig laut zu sein. Hier in Frankreich ist das ja leider nicht so ganz möglich, weil es hier eine Dezibelbegrenzung gibt. Wir müssen hier regelrecht ruhig sein.

In England gibt es ja gerade einen regelrechten Boom an Bands, die alle als das nächste große Ding gehandelt werden. Was denkst du darüber?

Stuart: Ich bin da nicht so wirklich mit der ganzen Szene vertraut. Da gibt es bestimmt ein paar gute Bands, aber wirklich interessieren tut mich das nicht. Ich höre lieber elektronische Bands, wie Autechre oder Fiery Furnaces. Natürlich auch Rock, aber da eher so Sachen wie Lightning Bolt oder die Stooges. Und selbstverständlich auch die Kaiser Chiefs! Ne, im Ernst, das sind vielleicht zwar ganz nette Jungs, aber ihre Musik ist einfach nur langweilig.

Ihr habt die Musik zu einem Film über Zinedine Zidane geschrieben. Wie kam es denn dazu?

Stuart: Nun, wir kannten den Regisseur, denn er kommt aus Glasgow. Er dachte unsere Musik wäre gut dafür geeignet und so haben wir das einfach gemacht.

Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass eure Musik passend zu einem Fußballfilm sein soll.

Stuart: Da hast du wohl recht. Stell die unsere Musik etwas künstlerischer und simpler vor und dann hast du ungefähr das Ergebnis. Der Film und die Musik sind bereits fertig und das Ganze kann man irgendwann im Juni passend zur Weltmeisterschaft sehen und hören.

Unterstützt ihr denn England bei der WM?

Stuart:(lacht) Ich unterstütze jeden, der gegen England spielen wird!

Benjamin Köhler, Christina Kopf

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