Interview

Get Well Soon


Mit "Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon" gelang Get Well Soon der Sprung vom Geheimtipp zum allseits hochgelobten Künstler. Wie diese Songs entstanden und mehr verriet uns Konstantin Gropper, der Kopf Get Well Soons vor dem Konzert in Konstanz.

Schon als kleines Kind hast du musiziert, inwiefern hat dich dies bei deinem heutigen Schaffen beeinflusst?

Konstantin: Würde ich schon sagen. Die Musik war bei mir zu Hause das Entscheidende und ich war quasi ständig von ihr umgeben. Mit fünf, sechs Jahren hab ich mir dann ein Instrument ausgesucht und mich für das Cello entschieden. Dass ich immer Unterricht bekommen und immer Musik gemacht habe, hatte natürlich die Auswirkung, dass ich jetzt immer noch Musik mache. Der eher klassische Hintergrund wirkt sich sicherlich darauf aus.

Haben sich daraus auch bestimmte Verhaltensmuster oder Herangehensweisen beim Songschreiben entwickelt?

Konstantin: Also, es gibt kein Schema, das ich immer wieder anwende. Das Einzige ist, dass ich immer gleich direkt am Computer schreibe, das heißt, direkt mit Arrangements. Es ist selten so, dass ein Song zuerst mit Gitarre und Gesang entsteht. Meistens habe ich schon die Idee im Kopf, wie der Song klingen soll.

Verfolgst du dabei auch bestimmte Themen oder entwickeln diese sich dann mit dem Song?

Konstantin: Das ist unterschiedlich. Manchmal ist die ausschlaggebende Idee textlich, manchmal musikalisch. Aber grundsätzlich kann man sagen, es ist immer eine Idee vorhanden. Es ist weniger, dass ich jetzt irgendwie herumprobiere, sondern ich habe immer schon den Kern des Songs im Kopf.

Die Musik schreibst du alleine. Auf Tour unterstützt dich eine Band. Woher kommt diese Zweiteilung?

Konstantin: Das ist ganz einfach Platte und Live. Ich habe die Platte ja allein gemacht und nachdem diese fertig war, habe ich mir die Band zur Umsetzung gesucht. Daher ist Get Well Soon auf Platte ich und Live die Band. Wie es in Zukunft sein wird, kann ich nicht sagen. Es wird schon weiterhin so sein, dass ich schreibe, weil ich einfach so am besten arbeiten kann. Ich habe noch nie wirklich in einer Gruppe Songs schreiben können. Für mich ist es am Effektivsten, wenn ich alleine arbeite.

Mit der Band warst du letzten Sommer schon auf einigen Festivals unterwegs. Gespielt wurden auch viele Songs des Albums. Woher kam die Verzögerung, dass das Album erst ein halbes Jahr später erschien?

Konstantin: Das Album war damals auch schon lange fertig. Es kam erst anderthalb Jahre nachdem es fertig war raus. Einerseits, weil wir schon mit verschiedenen Leuten verhandelt haben, und andererseits, weil wir schon spielen mussten, denn wer will schon eine Band unter Vertrag nehmen, die keine Band ist, sondern nur ein Studioprojekt? Und wir haben uns dadurch, dass wir diese Festivals gespielt haben, schon einen gewissen Ruf erspielt und wurden somit auch zu einer Art Geheimtipp. Der Zeitraum dazwischen war meiner Meinung nach wichtig für die Entwicklung.

In der Band spielen auch dein Cousin und deine Schwester. Wie ist das, wenn man mit Familienmitgliedern beim Touren so eng zusammenlebt?

Konstantin: Eigentlich war das nie ein besonders problematisches Verhältnis, auch schon in der Kindheit nicht. Ich sehe das eher positiv, man kann direkter miteinander umgehen. Es ist natürlich schwieriger, sich gänzlich zu zerstreiten. Mir ist es auch wichtig, mit Familienmitgliedern oder Freunden unterwegs zu sein. Man hat so auch immer ein persönlicheres Verhältnis zu den Leuten, und nicht nur ein rein professionelles.

Ihr habt gestern in deiner Heimat Biberach gespielt. Du selbst lebst zur Zeit in Berlin, hast in Irland gelebt. Hast du ein besonderes Verhältnis zu der Gegend?

Konstantin: Arg heimatverbunden bin ich jetzt nicht unbedingt. Ich komme zwar gerne dorthin und wäre auch gerne öfters dort, habe aber gerade nicht sehr viel Zeit dafür. Gestern war zwar super und auch voll, aber ich glaube, ich habe nicht sehr viele gekannt, weil die meisten Freunde von mir eben auch weggezogen sind zum Studieren.

Wie du vorhin schon erwähnt hast, nach den Festivals im Sommer galtet ihr als Geheimtipp, nun werdet ihr regelgerecht gehypt und seid von 0 auf 100 durchgestartet. Wie geht man mit solch einer Situation um?

Konstantin: Es sieht vielleicht so aus, aber es ist ja jetzt nicht so. Ich spiel seit mindestens zehn Jahren in Bands und stehe auf der Bühne. Ich habe genauso meinen harten Weg gemacht. Es ist eben so, dass es mit dieser Platte und meinem Soloprojekt recht schnell funktioniert hat, aber das greift auch zurück auf eine längere Geschichte. Ich war zwar nicht darauf vorbereitet, auf gar keinen Fall, es ist aber jetzt auch nicht so, dass ich aus dem Nichts komme.

Ihr wurdet in einigen Artikeln als die "Retter der deutschen Musik" oder das "neue Hoffnungskind" neben all den Castingprodukten von DSDS und Popstars bezeichnet. Wie siehst du die deutsche Musikszene?

Konstantin: (lacht) Also ich sehe die nicht so dramatisch, ehrlich gesagt. Solche Aussagen würde ich so bewerten, dass die Platte zu einem sehr günstigen Zeitpunkt veröffentlicht wurde. Dass scheinbar Bedarf da war, nach so einer Art Musik. Aber ich würde jetzt nicht klagen über die deutsche Szene. Es gab schon immer gute deutsche Bands. Ich sehe das nicht dramatisch. Aber es kommt vielleicht auch daher, dass viele Leute über Get Well Soon geschrieben haben, die sonst nicht über solche Musik schreiben. Das war vielleicht ein Phänomen, das das Ganze verstärkt hat. Wir hatten schon extrem viel Feuilleton- und Tagespresse. Woran das lag, kann ich allerdings auch nicht sagen. Aber so verdienen wir und die Presse unser täglich Brot, was ja durchaus sein Gutes hat.

Dann bedanke ich mich für das Interview.

Thomas Raich

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