Festival-Nachbericht

Obstwiesenfestival


Seit nunmehr 17 Ausgaben erfreut das Obstwiesenfestival als Umsonst & Draussen sowohl die Geldbeutel der Studenten, als auch die der restlichen ansässigen sparsamen Schwaben, um das auf der Hand liegende Vorurteil gleich zu Beginn zu bedienen. Auch in diesem Jahr wurde wieder ein buntes Programm für die Besucher des Lerchenfelds in Dornstadt bei Ulm zusammengestellt.

Nachdem am Freitagabend das Campingzelt in aller Eile aufgebaut worden war, ging es zum ersten Mal auf das Festivalgelände, spielte doch mit ClickClickDecker auf der Zeltbühne der erste Act, der auf dem ausgedruckten Spielplan neongelb angestrichen war. Zusammen mit seiner Band bot Kevin Hamann seine an federführende Bands aus dem Grand Hotel van Cleef erinnernden Songs dar. Die auf der Hauptbühne folgenden Au Revoir Simone wurden hinter ein gemütliches Bier auf dem Campingplatz gestellt. Da dieser sich direkt hinter der Bühne befand, konnte man aber auch dort den Klängen der beiden New Yorker lauschen. Für The Hidden Cameras wurde der Campingstuhl wieder gegen einen Stehplatz vor der Bühne eingetauscht. Das Kollektiv schien mit seinen grauen Kapuzenumhängen direkt aus einem Märchenwald eingeflogen worden zu sein, und mit ihrem spritzigen Gute-Laune-Pop ließen die Kanadier das Publikum von Beginn an das Tanzbein schwingen. Danach überraschten Get Well Soon mit einem intensiven, atmosphärischen Set, das die Vorschusslorbeeren, welche die Band durch die Presse erhalten hat, vollends bestätigte. Man darf auf das kommende Debütalbum gespannt sein. The Blood Arm konnte den vorangegangenen Auftritten nicht Paroli bieten, und so wurde erneut der Durst gestillt, um dann frisch gestärkt zu den, durch die Absage der Pigeon Detectives zum Headliner aufgestiegenen New-Raver von Goose, zu tanzen.

Nach einer kurzen Nacht ging es am Samstag in die zweite Runde. Das erste Highlight des Tages war das vom "Bolzen-Magazin" veranstaltete Fußballturnier. So versammelten sich am frühen Nachmittag 16 Mannschaften auf dem Rasen, um sich bei bester Stadionatmosphäre zu messen. Die meisten Hobbymaradonnas durften froh gewesen sein, dass Bier nicht auf der Dopingliste stand.

Musikalisch machte zunächst die deutsche Nachwuchshoffnung Klez.E mit ihrer speziellen Variante des Indierock auf sich aufmerksam. Abgelöst wurden sie von den Kilians aus Dinslaken, die mit klassischen Schrammelrock à la The Strokes das Publikum zum Tanzen brachten. Auch bei den Schweden Friska Viljor durfte ausgiebig getanzt werden, bevor es bei Tobias Kuhn, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Monta, wieder ruhiger zuging. Im Zelt schuf er mit seinen Songs eine Atmosphäre, die zum Relaxen und Träumen einlud. Den Abschluss auf der Hauptbühne bildeten Tocotronic. Mit einem Mix aus neuen Songs und alten Hits – wie "Freiburg" oder "Ich Bin Viel Zu Lange Mit Euch Mitgegangen" – wurden die Erwartungen der zahlreich erschienen Fans erfüllt.

Diejenigen, die immer noch nicht genug hatten, konnten sich im Zelt zum Hip-Hop-Kasperltheater der Puppetmastaz noch einmal richtig verausgaben. Die Berliner, die direkt vom Stuttgarter Hip-Hop-Open anreisten, entlockten dem Publikum mit ihrer unterhaltsamen Show die letzten aufgesparten Reserven, bevor es wieder Abschiednehmen hieß, von einem rundum gelungenen Festivalwochenende.

Thomas Raich

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