Festival-Nachbericht

Alínæ Lumr 2017


Das dritte Mal lädt das Team des Alínæ Lumr zum Festival mit DIY-Charme ein. Hauptsächlich BerlinerInnen lungern vom 25. bis 27. August im beschaulichen Storkow herum und lassen sich sphärisch beschallen. Schön war's.

Die Kinderschuhe sind die größte Stärke des Alínæ Lumr: Die Professionalität der VeranstalterInnen hält sich in Grenzen und sorgt zwar für die richtigen äußeren Umstände, übertreibt es jedoch nicht während des Festivals. So wird es nicht ganz so genau genommen mit der Bändchenkontrolle, ob man vor der Bühne nun mit einem selbst mitgebrachten Bier steht ist auch nicht so wichtig und die Ordnung auf dem Zeltplatz besticht durch Abwesenheit. Klar, so etwas geht nur durch die übersichtliche Besucherzahl des Festivals: Zum Alínæ Lumr kommen etwa 1000 Personen, die ganz entspannt zwischen Burg, Marktplatz, See, Kirche und Garten flanieren.

Die Bühnen sind klein, die KünstlerInnen haben Bock und die BesucherInnen geben sich gerne hin. So findet man sich plötzlich zu kompakter Elektromukke von Arms & Sleepers beim Tanzen oder schwebt in der Kirche zu Klavierklängen von Quentin Sirjacq davon. Den Höhepunkt des ersten Tages bilden The Notwist, die in der beschaulichen Burg mit Detail- und Klangvernarrtheit die Bühne und sämtliche HörerInnen mit- und einreißen.

Da auch am zweiten Festivaltag der Timetable großzügig erst ab 16 Uhr so richtig in die Puschen kommt, bietet es sich an, eine Runde in den See zu springen, durch die Natur zu hotten oder aber ausgiebig in einem der netten, kleinen Läden Storkows zu frühstücken. Tiefenentspannt konnte man sich dann vom inoffiziellen Grundthema ?Verzauberungen? mitnehmen lassen: Die wundervollen Dear Reader sangen mehrstimmige Arien in der Kirche, Martin Kohlstedt fand mit dem nahegelegenen Naturpark ?Irrlandia? seine perfekte Kulisse und die herrlich abgedrehten Deerhoof rundeten den zweiten Tag gebührend ab.


Martin Kohlstedt // Foto-Credit: Fabian Will Simon

Der Sonntag ist beim Alínæ Lumr nicht nur Abreisetag, sondern bietet dem Richardchor Neukölln oder Lor eine Bühne. Wer bei dem zugegeben sehr guten Wetter aber noch eine Runde Fritten am Badesee genießen wollte, hatte auch keine Probleme beim Durchsetzen dieser Pläne.

Alles also wahnsinnig laid back, stressfrei und ein wenig hipstrig, denn: Aus der Hauptstadt kommen nicht nur die meisten BesucherInnen, sondern auch viele der KünstlerInnen. Dennoch war für musikalische Abwechslung gesorgt und es gab mit ein wenig Neugierde einiges zu entdecken. Schönes, detailverliebtes, kleines Festival, das im nächsten Jahr hoffentlich in eine vierte Runde geht.

Silvia Silko

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